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Merkel: Vielleicht schaffen wir es nicht?
Meinung
Politikalfi0312
2.10.2026 07:55:49
2.10.2026 07:55:49
Diese Nachricht wurde 1x geändert, zuletzt am: 2.10.2026 07:58 Uhr
Angela Merkel sagte gestern (1.10.2026) bei der Verleihung des Hermann-Ehlers-Preises:"Sie können die allerbesten Politikerinnen und Politiker haben. Wenn nicht die Menschen im Lande genauso spüren, dass wir uns für diesen Staat, für diese Demokratie einsetzen müssen, dann werden wir es vielleicht nicht schaffen. Wir brauchen jeden angesichts der neuen Herausforderungen."
Ich finde dieses Zitat bemerkenswert, denn ich lese daraus durchaus Kritik am Bürger.
Man kann die "allerbesten Politikerinnen und Politiker" haben – wenn die Menschen nicht ausreichend mitziehen, sich nicht genügend für Staat und Demokratie einsetzen, dann funktioniert es trotzdem nicht.
Und genau diese Sichtweise stört mich.
Denn sie klingt für mich nach einem politischen Selbstverständnis, das inzwischen viel zu häufig zu beobachten ist:
Die Politik weiß, was richtig ist – und wenn die Bürger nicht folgen, liegt das Problem offenbar beim Bürger.
Fast nach dem Motto:
Wir könnten die besten Politiker haben, aber wenn die Menschen nicht verstehen, was notwendig ist, "schaffen wir es vielleicht nicht".
Ich (und auch die meisten Leute in meinen Umfeld) sehe das genau andersherum.
Vielleicht sind es nicht die "dummen Bürger", denen die besten Politiker nur besser erklären müssten, was richtig ist.
Vielleicht sind es vielmehr mündige Bürger, die sehr genau wissen, wie sie leben möchten, was sie akzeptieren wollen und was eben nicht.
Ein schlauer Bürger lässt sich nicht einfach vorschreiben, was er denken, akzeptieren oder mittragen soll.
Er hinterfragt. Er kritisiert. Und er widerspricht auch einer Regierung, wenn er deren Politik für falsch hält.
Genau das gehört für mich zu einer funktionierenden Demokratie.
Demokratie bedeutet schließlich nicht, dass Politiker eine Richtung vorgeben und die Bevölkerung anschließend möglichst geschlossen hinterherläuft.
Politiker werden von den Bürgern gewählt. Sie sollen deren Interessen aufnehmen, unterschiedliche Wünsche miteinander abwägen und daraus Politik machen.
Und wenn große Teile der Bevölkerung über Jahre das Gefühl bekommen, dass ihre Sorgen und Prioritäten nicht mehr berücksichtigt werden, dann darf die Politik nicht anschließend überrascht sein, wenn diese Menschen nicht mehr bereitwillig "mitgehen".
Deshalb: Nicht zuerst der Bürger muss sich fragen, warum er die Politik nicht unterstützt.
Die Politik muss sich fragen:
Warum unterstützen uns die Bürger nicht mehr?
Warum vertrauen sie uns nicht?
Warum fühlen sich so viele Menschen nicht mehr vertreten?
Warum müssen Politiker den Bürgern überhaupt immer häufiger erklären, dass diese bestimmte politische Entscheidungen akzeptieren oder mittragen sollen?
Vielleicht liegt das Problem dann eben nicht beim Bürger.
Vielleicht liegt es einfach nur an der Politik.
Und wir erleben seit Jahren Politiker, die sich nicht hinterfragen, die ihre eigene Agenda durchziehen und dann davon sprechen, dass die Bürger nicht mitziehen. Wieder eine sehr interessante Sichtweise 🙂
Aber egal was die Politiker von sich geben: Der Bürger weiß entsprechend damit umzugehen. Das wiederum beruhigt mich!
i
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